Auch wenn archäologische Funde, der Feldhamster und widerständige Grundstückseigentümer den Bau der neuen Fernwasserleitung nach Bad Langensalza beeinflussen, kommt er weiter voran. Wie bisher vorgesehen soll spätestens Anfang 2022 das kalkarme Wasser aus allen Hähnen sprudeln, die das Verbandswasserwerk beliefert.

In der jüngsten Versammlung des Trinkwasser-Zweckverbands erläuterte Werkleiter Matthias Vogt den Stand der Dinge. Demnach wird derzeit an der Verbindungsleitung von Gräfentonna nach Herbsleben gebaut. Sieben von acht Kilometern seien schon fertig, die Etappe könne wohl noch dieses Jahr abgeschlossen werden und damit vier Monate vor dem Plan.

Beim Landratsamt zur Genehmigung eingereicht sei der Plan für die neue Verbindungsleitung vom Ascharaer Kreuz – dem Übergabepunkt vom Fernwasserversorger an den örtlichen Verband – zum Hochbehälter am Roten Berg bei Henningsleben. Von hier aus läuft das Fernwasser künftig ins Bad Langensalzaer Netz. Bei diesem Teil habe es wegen fehlenden Zustimmungen von Grundeigentümern fünf Monate Verzögerung gegeben. Der Bau soll nun Anfang 2021 starten.

Zuvor werden auch hier die Archäologen anrücken, die zwar Kosten, aber keine weitere Verzögerung verursachen. Sie hatten bereits beim laufenden Abschnitt bei Großvargula einen recht spektakulären Friedhof mit 40 Gräbern aus dem frühen Mittelalter freigelegt. Weil laut Gesetz der Bauherr solche Untersuchungen zahlen muss, gebe der Verband insgesamt gut 600.000 Euro allein für die Archäologen aus, betonte Vogt.

Am Ende fließen diese Kosten in die Wassergebühr mit ein. Andererseits erhält der Verband für das Acht-Million-Vorhaben auch gut vier Millionen Euro Förderung. Und teils liegen die Baukosten bisher sogar unter Plan.

Ebenso geändert werden musste die Planung für die Ortsumgehungsleitung von Bad Tennstedt. Sie ist nötig, um das Fernwasser von Gräfentonna über Großvargula zum Hochbehälter Bad Tennstedt zu bringen. Das Ortsnetz dort ist aber eine Engstelle. Eigentlich habe man darum im Stadtgebiet entlang der Öde eine Leitung verlegen wollen. Aber wegen der neuen Brücke dort müsse man auf Wunsch der Stadt abweichen, sagte Vogt.

Inzwischen wurde eine neue Umgehungsvariante gefunden. Mit Hilfe der Kommune habe man inzwischen auch alle betroffenen Grundeigentümer ins Boot bekommen. Jetzt warte man noch auf die behördliche Genehmigung für die Umplanung. Der Auftrag werde dann gleich ausgeschrieben.

Auch die Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) muss rund 15 Kilometer neue Leitungen verlegen, von Friemar an Bufleben und Westhausen vorbei bis zum Ascharaer Kreuz. Dieses Vorhaben liege im Plan und werde 2021 in drei Abschnitten erfolgen, gab Vogt die Auskunft der TFW weiter. Hier müssten vorab noch zwischen Friemar und dem Ascharaer Kreuz geschützte Feldhamster umgesiedelt werden.

Dass die Abnehmer das weiche Fernwasser mögen, sei jetzt schon klar geworden. Herbsleben und Großvargula werden seit September 2019 bereits von Dachwig her mit kalkarmem Wasser versorgt. Im Mai und Juni habe man dort wegen der Spargelernte und steigendem Haushaltsbedarf durch Corona hohe Verbräuche registriert. Der Verband musste Brunnenwasser aus Bad Tennstedt beimischen, das bis 2019 ausschließlich geflossen war. „Es gab sofort Anrufe, ob bei uns etwas nicht stimmt“, sagte Vogt. Dabei sei einfach nur die vertragsgemäße Höchstliefermenge erreicht worden.

Beim Fernwasser-Projekt geht es um gut 40 Orte mit 11.000 Haushalten, vorwiegend im Altlandkreis Bad Langensalza zwischen Neunheilingen, Altengottern Großballhausen, dem Hainich und Burgtonna. Das Trinkwasser hier hat bisher 38 Härtegrade. Beim Fernwasser sind es nur vier.