Symbolisch sprudelte Wasser… – frisches, klares – und vor allem! – weiches Wasser. Dafür arbeiteten die Bürgermeister Reinhard Mascher (Herbsleben) und Marko Wartmann (Großvargula) Hand in Hand und drückten den roten Knopf. So, wie es überhaupt in Sachen „weiches Wasser“ eine große, gemeinschaftliche Anstrengung gab, die nun zum ersten sichtbaren Ergebnis führte.

Es war ein langer Weg bis zu diesem, für Herbsleben und Großvargula durchaus historischen Moment: Seit 30. August werden die Gemeinden mit Wasser aus der Ohratalsperre versorgt. Damit sind sie die ersten Orte, der von der Zusammenarbeit des Zweckverbandes mit der Thüringer Fernwasserversorgung profitieren. Bis 2022 sollen dann alle 36.000 Bewohner im Verbandsgebiet in den Genuss des weichen Wassers kommen.

Werkleiter Matthias Vogt erinnerte beim symbolischen Versorgungsstart daran, dass vor mehr als 100 Jahren die öffentliche Trinkwasserversorgung in Herbsleben begann und nun schon seit 26 Jahren das Verbandswasserwerk Bad Langensalza dafür zuständig ist. Für eine spürbare Verbesserung der Wasserqualität und eine stets stabile Versorgung seiner Gemeinde mit Fernwasser habe sich vor allem Bürgermeister Mascher verdient gemacht, der seit 2012 im Amt ist. Sein Engagement in dieser Sache dürfte maßgeblicher Grund für seine Wiederwahl 2018 gewesen sein, erinnerte Werkleiter Vogt: „…aber dennoch: Am Anfang standen auch wir seinem Ansinnen eher skeptisch gegenüber.“ Deshalb, weil es um eine Entscheidung ging, die für den gesamten Verband zu treffen war „und für die nachfolgenden Generationen“, so Vogt.  Das „Ja“ zum Fernwasser war eine endgültige Wahl. Sie sei aber auch getroffen worden, weil die Kunden des Zweckverbandes immer höhere Anforderungen an das Lebensmittel Nr. 1, ans Trinkwasser, stellten. Die waren aber nicht aus den bisher genutzten Quellen und dem bestehenden Versorgungssystem zu sichern.

Sechs Jahre dauerte es vom ersten Gespräch mit der Thüringer Fernwasserversorgung und dem Verband, bis nun in Herbsleben und Großvargula Talsperren-Wasser aus den Hähnen fließen konnte. Dazwischen lag eine lange Phase des Abwägens. So prüfte der Verband seit 2014 verschiedene Varianten, wie man zum „weichen Wasser“ kommen könne: Dazu gehörte der Plan, am Wasserwerk Golken eine zentrale Enthärtung zu bauen, die dann das Wasser für das gesamte Verbandsgebiet behandeln sollte. Alternativ stand eine Komplettversorgung mit Fernwasser zur Diskussion bzw. eine Cuvée aus 80 % Fernwasser und 20 % Wasser aus eigenen Quellen.

Die komplette Umstellung auf Fernwasser erwies sich am Ende aus ökonomischen Gründen als die erste Wahl – nicht nur für die Fachleute vom Verband. Vielmehr erteilte der Zweckverband den Kommunen das letzte Wort, das die Bürgermeister in ihren Gremien erfragten. Parallel dazu sorgte der Verband für öffentliche Transparenz: Schon 2016 wurde u. a. im Kundenmagazin das Vorhaben und Vorgehen vorgestellt. Die Begleitung durch die regionalen Medien – es gab mehr als 30 Artikel – tat das ihre dazu, dass das Thema „weiches Wasser“ in aller Munde war, was man fast wörtlich nehmen könnte. In 2016 folgten dann Einwohnerversammlungen, organisierten Interessengruppen und Parteien Veranstaltungen, zu denen die Werkleitung geladen wurde und bei denen über die Varianten abgestimmt wurden.

So allseitig informiert, kam es dann zur Entscheidung: „Mehrzahl der Gemeinden wünscht sich Veränderung zu weicherem Wasser“, titelte dazu die „Thüringer Allgemeine“.  Im Herbst 2016 wurde daher der Grundsatzbeschluss pro Fernwasser getroffen. Just zu diesem Zeitpunkt ergaben sich mehrere günstige Umstände. So trat die Gemeinde Dachwig, die bereits einen Fernwasseranschluss hatte, dem Verband bei. Und das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz stellte 4 Mio. € Förderung in Aussicht.

So wurde also Ende 2017 dann der entscheidende Beschluss gefasst und im Dezember 2018 dann der Kaufvertrag mit der Thüringer Fernwasserversorgung abgeschlossen. Als erstes Teilprojekt wurde nun in sieben Monaten die 3 km lange Pipeline vom Hochbehälter Dachwig bis zum Hochbehälter Herbsleben gebaut. 2/3 der Leitung wurden im unterirdischen Rohrvortrieb hergestellt, 1/3 in offener Bauweise. 300 Schweißnähte sind für diese 3 km nötig gewesen, die nun die Versorgung Herbslebens und Großvargulas ermöglichen. Dafür wurde zudem am Hochbehälter Dachwig eine Druckerhöhungsstation und ein Schachtbauwerk errichtet sowie weitere Anpassungen vorgenommen. Das Ganze kostete etwas mehr als 1,5 Mio. €, von denen 850.000 € Förderung waren.

Wie geht es nun weiter?

2020/2021 wird der Fernwasseranschluss und Übergabeschacht am Ascharaer Kreuz gebaut und dann eine 5 km lange Leitung bis zum Hochbehälter Roter Berg bei Henningsleben zur Versorgung von Bad Langensalza (Invest ca. 3,2 Mio. €). Von 2019 bis 2020, spätestens 2021, entsteht über 7,5 km eine Verbindungsleitung von Bad Langensalza nach Bad Tennstedt (ca. 4,5 Mio. €). Mit der termingerechten Fertigstellung wird Mitte 2021 gerechnet, hierdurch kann der von Anfang an geplante Termin zur vollständigen Umstellung auf weiches Fernwasser für alle Kunden des Verbandswasserwerkes eingehalten werden.

Text: Rainer Aschenbrenner, Fotos: Verbandswasserwerk

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